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Stellungnahme zum Infobrief #1 Mitte 15: Es geht weiter!

Die Stadt Wien, das Projektteam Mitte 15 und der Bezirksvorsteher des 15. Bezirks haben am 6. Mai 2026 eine amtliche Mitteilung veröffentlicht. Der als „Neuigkeit“ präsentierte Infobrief enthält jedoch weitgehend bereits bekannte Inhalte. Wesentliche neue Erkenntnisse bleiben aus. Tatsächlich beschränkt sich die Neuerung im Kern auf den Abschluss der Ausschreibungen.

Zu diesen Ausschreibungen hat die Initiative bereits am 27. Juni 2025 Stellung genommen.

Im Folgenden wird die amtliche Mitteilung „Infobrief #1 Mitte 15: Es geht weiter!“ vom 6. Mai 2026 einem Faktencheck unterzogen, 🔎 kritisch eingeordnet und 🗣️ kommentiert.

Fest steht heute, dass es eine große zusammenhängende Grün- und Freifläche geben soll. Wohnraum oder Büros können nur punktuell entstehen. In einigen Bereichen könnte der Park angehoben werden, um eine barrierefreie Zugänglichkeit und darunter andere Nutzungen zu ermöglichen.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Ein gemeinsamer Nenner mit der Stadt Wien ist die geplante große zusammenhängende Grün- und Freifläche. Gerade hierin liegt aus unserer Sicht die zentrale Chance, einen durchgehenden, erdgebundenen Landschaftspark zu realisieren.

Die Formulierung „darunter andere Nutzungen“ macht jedoch deutlich, dass kein durchgehend erdgebundener Grünraum vorgesehen ist.

Laut dem offiziellen Stadt-Blog vom 26.01.2024 soll der Park „auf die Ebene der Felberstraße angehoben“ werden. Der Niveauunterschied werde „teilweise … in Form von unterbauten Westbahnterrassen“ ausgeglichen – Nutzungen unten, Grünraum oben. Zudem wird ausgeführt, dass der Park „zum Teil auf darunterliegenden Gebäuden angeordnet und zum Teil aufgeschüttet“ sei. Auch ein Beitrag im ORF vom 26.01.2024 beschreibt dieses Konzept ähnlich: Der Park entsteht nicht durchgehend auf gewachsenem Boden, sondern wird in Teilen auf Baukörper aufgesetzt.

Damit wird de facto eine künstliche Parklandschaft auf tragenden Strukturen vorgesehen, mit entsprechend eingeschränkten Möglichkeiten für Bodenaufbau, Bepflanzung und ökologische Funktion. Die Darstellung als durchgehender Grünraum greift daher zu kurz.

Die Stadt argumentiert an dieser Stelle mit Barrierefreiheit. Dieser Aspekt ist zweifellos wichtig, ersetzt jedoch keine fundierte Abwägung der langfristigen klimatischen und ökologischen Auswirkungen einer solchen Bauweise.

Nicht thematisiert wird, dass diese Bauform sowohl in der Errichtung als auch in der laufenden Pflege und Instandhaltung erheblich kostenintensiver ist als ein erdgebundener Park. Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten – etwa der Sanierungsbedarf der Donauplatte nach relativ kurzer Nutzungsdauer – legen nahe, dass hier langfristige Folgekosten entstehen.

Ebenso offen bleibt, wie mit der Begrünung auf diesen Strukturen umgegangen wird, wenn in Zukunft unvermeidliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich werden.

🗣️ Unsere Empfehlung an die Stadt Wien und ihre Fachabteilungen: Erdgebundene Grünflächen bieten klare Vorteile – sie sind klimatisch wirksamer, ökologisch nachhaltiger und langfristig wirtschaftlicher in Pflege und Erhalt.

Für die detaillierte Ausgestaltung startet in den kommenden Monaten ein städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb für das Areal.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Bereits vor einem Jahr haben wir ausdrücklich begrüßt, dass ein Landschaftspark Teil der Ausschreibung ist. Entscheidend wird jedoch sein, wie dieser Begriff konkret umgesetzt wird. Es bleibt zu hoffen, dass das beauftragte Planungsteam den Begriff fachlich korrekt anwendet – und nicht, wie in den bisherigen Darstellungen der Stadt, eine aufgeständerte und überbaute Struktur als „Landschaftspark“ definiert.

🗣️ Eine Bebauung ohne zuvor durchgeführte standortspezifische klimatische Untersuchungen zur Kaltluftschneise sowie ohne verbindliche Maßnahmen zum Erhalt und Schutz der bestehenden biodiversen Böschung lehnen wir weiterhin klar ab.

Wissenswertes zu Mitte 15

© 2024 superwien Ausschnitt Mitte 15 Zeichnung 2

Wird das Areal großflächig verbaut?

Nein. Mehr als zwei Drittel der Fläche werden Grün- und Freiraum. Die Bebauung erfolgt punktuell und auf bereits versiegelten Flächen.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Aus unserer Sicht lässt sich diese Aussage auf Basis der derzeit öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht nachvollziehen.

Das Versprechen, „nur“ einen Hektar zu verbauen, ist nicht belastbar. In offiziellen Unterlagen findet sich keine verbindliche Obergrenze für die Bebauung. Stattdessen werden Potenzialflächen und Entwicklungsmöglichkeiten ausgewiesen, die eine deutlich umfassendere Nutzung erlauben, als die Formulierung „punktuell“ vermuten lässt.

Für die Bevölkerung ist das tatsächliche Ausmaß der Bebauung von zentraler Bedeutung. Gerade hier fehlt es bislang an Transparenz. Klärungsbedarf besteht insbesondere bei folgenden Punkten:

  • konkrete Lage und Ausgestaltung von Terrassen und Überdeckelungen
  • tatsächliche Bodenaufbauten und Substrattiefe, insbesondere im Hinblick auf großkronige Bäume
  • Konzepte für Wasserhaushalt, Versickerung und Bewässerung sowie deren langfristige Finanzierung
  • realer Umfang der Versiegelung und Überbauung, inklusive Gebäudehöhen und baulicher Dichte

Das Argument, dass Teile der Fläche bereits versiegelt sind, greift zu kurz. Gerade daraus ergibt sich der Auftrag zur Entsiegelung, wie sie auch auf EU-Ebene gefordert wird und nicht zu weiterer Überbauung.

Bei der sogenannten punktuellen Bebauung bleibt zudem unerwähnt, dass Gebäudehöhen von bis zu 60 Metern vorgesehen sind – gemessen ab dem Niveau der Felberstraße. Das entspricht nahezu dem Dreifachen der umliegenden Gründerzeithäuser und würde das Stadtbild sowie die Freiraumwirkung massiv verändern.

Entsteht ein echter Park?

Ja, geplant ist ein zusammenhängender Landschaftspark mit etwa 5 Hektar. Teile werden angehoben, um eine klare Trennung zum Bahnverkehr sicherzustellen sowie eine barrierefreie Nutzung zu ermöglichen – mit ausreichend Erdschicht für Bäume und Begrünung.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Diese Darstellung ist irreführend. Ein Park mit einer Größe von 5 Hektar wird nach unserem Wissensstand in dieser Form nicht entstehen. Grund dafür ist, dass die Stadt Wien auch begrünte, aufgeständerte Flächen als „Landschaftspark“ ausweist und zugleich keine konsistenten Flächenangaben vorlegt.

So wird im SEK Mitte 15 Bericht ein „Entwicklungsgebiet“ von 6 Hektar genannt. In Verwaltungsworkshops der Stadt Wien im Frühjahr 2023 war noch von 7 Hektar die Rede. Bereits damals haben wir darauf hingewiesen, dass rund 10.000 m² Fläche rechnerisch nicht nachvollziehbar sind.

Aktuell verweist die Stadt Wien – unter anderem in einem Artikel vom 20.03.2026 sowie in der vorliegenden Mitteilung – darauf, dass „rund zwei Drittel der Flächen als Grünraum gestaltet“ werden. Diese Angabe würde rechnerisch wiederum eine Gesamtfläche von etwa 7,5 Hektar voraussetzen.

Die wiederholt wechselnden Flächenangaben machen deutlich, dass derzeit keine klare und überprüfbare Grundlage für die tatsächliche Größe des geplanten Grünraums vorliegt.

Damit bleibt offen, wie viel „echter Park“ tatsächlich entsteht – und wie viel lediglich als solcher bezeichnet wird.

🗣️ Unsere Position bleibt daher unverändert: Ein funktionierender Landschaftspark setzt durchgehend gewachsenen Boden voraus. Ziel muss ein zusammenhängender, erdgebundener Landschaftspark auf der gesamten Fläche des Areals sein, der den Bedürfnissen von Mensch, Klima und Umwelt gleichermaßen gerecht wird.

Wie wirkt sich das auf das Mikroklima aus?

Das Mikroklima wird gegenüber dem heutigen Zustand verbessert. Um Auswirkungen auf das Stadtklima wie unter anderem die Kaltluftabflussbahn zu vermeiden, fließen Klimaanalysen und Simulation in die Planung ein.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Diese Darstellung greift zu kurz. Klimatische Untersuchungen sind ein zentrales Thema – sie müssen jedoch vor Planungsentscheidungen fundiert durchgeführt werden, um belastbar berücksichtigt werden zu können.

Fakt ist: Es existiert eine Analysekarte der nächtlichen Kaltluft, die von der Stadt Wien beauftragt und im Jahr 2020 erstellt wurde. Diese basiert laut Experteneinschätzung jedoch auf Modellrechnungen unter Idealbedingungen – nicht auf realen Messdaten vor Ort.

Eine tatsächliche Vermessung der Kaltluftströme würde hier die notwendige Klarheit schaffen. Ein entsprechender Antrag wurde jedoch in der 12. Sitzung des Gemeinderats am 25.03.2026 mit den Stimmen von SPÖ und NEOS abgelehnt.

Gleichzeitig halten wir fest, dass sich beide Parteien in ihrem Regierungsprogramm klar positionieren:

Wir bekennen uns zum Erhalt und zur Verbesserung von Frischluftbahnen und Kaltluftströmen.

Regierungsprogramm 2025, Seite 108

Vor diesem Hintergrund bleibt offen, auf welcher Datengrundlage eine Verbesserung der Kaltluftströme geplant oder nachgewiesen werden soll.

Die angekündigte „Verbesserung des Mikroklimas“ bleibt damit derzeit eine unbelegte Annahme.

🗣️ Aus unserer Sicht ist klar: Ohne belastbare Messdaten besteht die Gefahr, dass in ein funktionierendes lokales Klimasystem eingegriffen wird, ohne dessen Wirkweise ausreichend zu verstehen.

Wie wird die Bevölkerung eingebunden?

Seit 2022 erfolgt die Beteiligung der Bevölkerung in Dialogformaten mit mehreren hundert Teilnehmenden. Weitere Beteiligungsangebote sind fest eingeplant.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Diese Darstellung entspricht nicht den Erfahrungen der Beteiligten. Zwar wurden im Rahmen der Dialogtour am 19. November 2022 sowie der Quartierswerkstatt am 13. Mai 2023 Beiträge und Wünsche der Bevölkerung gesammelt, deren konkrete Berücksichtigung in den weiteren Planungen bleibt jedoch weitgehend unklar.

In Fachkreisen wird für derartige Prozesse zunehmend der Begriff „Particitainment“ verwendet – ein Kofferwort aus „Participation“ und „Entertainment“. Er beschreibt Beteiligungsformate, die Mitwirkung suggerieren, ohne tatsächlichen Einfluss auf Entscheidungen zu ermöglichen. Aus unserer Sicht trifft diese Beschreibung auf den bisherigen Prozess in wesentlichen Punkten zu.

Mehrere angekündigte Beteiligungsschritte wurden zudem nicht wie vorgesehen umgesetzt:

  • Die angekündigte Stadtteilzeitung wurde nicht flächendeckend zugestellt, sondern ausschließlich online sowie über einen Newsletter veröffentlicht.
  • Das angekündigte Stadtteilforum fand nicht als offenes Dialogformat, sondern in Form einer Ausstellung statt.
  • Eine Bürger*innenversammlung zur Entwicklung des Westbahnhof-Areals wurde vom Bezirksvorsteher abgelehnt – mit Verweis auf fehlende Zuständigkeit.
    Die rechtliche Bewertung dieses Vorgehens ist derzeit noch offen.

Damit verlagert sich die Informationsbeschaffung zunehmend von einer Bringschuld der öffentlichen Hand hin zu einer Holschuld der Bevölkerung:
Wer sich aktiv informiert, kann Inhalte finden – eine niederschwellige, breite und flächendeckende Einbindung aller Betroffenen findet jedoch nur eingeschränkt statt.

Die aktuelle amtliche Mitteilung wurde nicht flächendeckend zugestellt – selbst innerhalb des unmittelbaren Projektgebiets.

Dieses Muster einer überwiegend selektiven Information zieht sich durch mehrere Beteiligungsschritte.

Insgesamt entsteht so der Eindruck einer überwiegend einseitigen Kommunikation.

Eine echte Einbindung der Bevölkerung erfordert jedoch nachvollziehbare Prozesse, transparente Rückmeldungen und sichtbare Berücksichtigung der eingebrachten Anliegen.

Beteiligung ohne erkennbare Wirkung untergräbt langfristig das Vertrauen in den Planungsprozess.

🗣️ Unser Fazit: Beteiligung darf nicht davon abhängen, wie aktiv sich Menschen Informationen beschaffen. Wer Beteiligung ernst meint, muss sie für alle zugänglich machen – und sichtbar zeigen, dass Beiträge der Bevölkerung tatsächlich etwas bewirken.

Wie wird über den Fortschritt informiert?

Alle wesentlichen Unterlagen werden öffentlich bereitgestellt. Zusätzlich erfolgen regelmäßige Updates über Infobriefe, die Website und den digitalen Newsletter.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Diese Darstellung vermittelt ein umfassendes Informationsangebot. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass zentrale Informationen die Bevölkerung oft nur unvollständig oder verzögert erreichen.

So wurden Informationen nicht flächendeckend zugestellt, und auch andere angekündigte Kommunikationsformate haben nicht alle Betroffenen erreicht.

🗣️ Wir sehen einen durchgängig transparenten und niederschwelligen Zugang zu relevanten Informationen derzeit nicht gegeben.

❤️ Wer sich umfassend informieren möchte, ist daher gut beraten, zusätzliche Informationsquellen zu nutzen. Wir empfehlen eine Anmeldung zu unserem Newsletter, um Entwicklungen kontinuierlich und kritisch nachvollziehen zu können.

Wie kann ich mich einbringen?

Auch in den kommenden Projektphasen wird es Möglichkeiten geben, sich einzubringen – etwa bei Veranstaltungen, Ausstellungen oder Online-Formaten. Alle Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

amtliche Mitteilung Stadt Wien, Mai 2026

🔎 Einordnung der Initiative WESTBAHNPARK

Grundsätzlich sind Beteiligungsmöglichkeiten zu begrüßen. Entscheidend ist jedoch, dass diese Formate tatsächlich Einfluss auf die Planung haben und nicht nur informativen Charakter behalten.

Vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen bestehen Zweifel, ob angekündigte Beteiligungsformate in ausreichendem Maß wirksam werden.

Wer sich aktiv einbringen und den weiteren Prozess mitgestalten möchte, ist daher eingeladen, sich auch unabhängig von den Formaten der Stadt zu engagieren.

❤️ Wir laden alle Interessierten herzlich ein, an unseren regelmäßigen Treffen teilzunehmen – einmal im Monat, jeweils am zweiten Mittwoch.

🗣️ Die Frage ist nicht, ob hier ein Park entsteht – sondern ob die Stadt Wien bereit ist, einen echten, erdgebundenen Landschaftspark zu ermöglichen oder weiterhin an einer teuren Scheinlösung festhält.

Quellen und weiterführende Information